Management für Restauratoren

Strategie und ihre praktische Umsetzung mittels Balanced Scorecard

Autor: © Mike Beer (Dipl.-Kfm., Restaurator M. A., Tischlermeister)

Durch eine immer höhere Anzahl von Restauratoren, welche erfolgreich die Hochschulen verlassen und gleichzeitig immer knapper werdender öffentlicher Geldmittel, sieht sich der Restaurator einem immer stärkeren Wettbewerbsdruck ausgesetzt. 

Die nachfolgenden Informationen geben dem Restaurator in seinem Wettbewerbsumfeld ein strategisches Steuerungsinstrument (Balanced Scorecard) an die Hand, welches sein Atelier in einem hohen Maß wettbewerbsfähig macht und ihm langfristig Wettbewerbsvorteile gegenüber seinen Mittbewerbern verschafft. 

Das Modell der BSC steht in keinem Widerspruch zu dem Ehrenkodex welchem der Restaurator zu folgen hat, sondern soll diesen Kodex in besonderer Weise berücksichtigen.

Die Balanced Scorecard im Überblick

Die Balanced Scorecard (BSC) stellt einen Berichtsbogen dar, welcher die Vision und Strategie des Restaurators in eine übersichtliche Darstellung relevanter Daten für sein Atelier übersetzt. Hierbei können die für den Restaurator wichtigen Bereiche wie: Finanzen, Kunden, Projekte, Prozesse, Lernen und Entwicklung berücksichtigt werden. Diese Bereiche können individuell angepasst werden, wenn dies von besonderer Bedeutung ist. So kann z. B. eine zusätzliche Qualitäts- oder Wissensperspektive etabliert werden. 

Die in den Bereichen enthaltenen Zielsetzungen/Messgrößen sind für den Restaurator und sein Atelier von besonderer Bedeutung. Sie dienen der Erreichung von Vision und Strategie. Hierbei werden keine Ziele berücksichtigt, die als Basisziele bezeichnet werden können, also Ziele die zum laufenden Geschäft gehören, oder jene die in der Branche als Standard gelten und somit selbstverständlich sind. Sollten jedoch Ziele, die eigentlich als selbstverständlich vorausgesetzt werden und die Existenz des Ateliers gefährden können verfehlt, werden diese in die BSC aufgenommen. So zum Beispiel, dass Fehlen betriebswirtschaftlicher Grundkenntnisse.

„Was du nicht messen kannst, kannst du nicht lenken.“ (Peter Drucker)

Für die finanziellen und nicht finanziellen Ziele werden entsprechende Messgrößen entwickelt, welche einen künftigen Soll-Ist-Verglich ermöglichen. Die entwickelten Messgrößen werden eingebettet in ein Ursache-Wirkungs-Geflecht und sollten eng miteinander korrespondieren, sowie in ihrer Gesamtheit die Strategie des Restaurators/Ateliers widergeben. 

Das nachfolgende Muster einer BSC soll als Beispiel gelten. Jedes Atelier, Institut, Museum, jeder Verband sowie der einzelne freiberufliche Restaurator wird letztendlich andere strategische Ziele verfolgen.

Weitere Infomationen zur Balanced Scorecard finden Sie unter:

Entwicklung Balanced Scorecard (BSC) für Restauratoren

Die Analyse 

In der Vorbereitungs-, Analyse- und Einführungsphase werden Markt/Umwelt- und Unternehmensanalyse erläutert. 

Strategieentwicklung Grundlagen

Strategie stellt eine Reihe von Maßnahmen dar, die der Restaurator festlegt, um langfristige Ziele des Ateliers zu erreichen.

Die Strategie soll dem Restaurator langfristig Erfolgspotentiale sichern und ihn deutlich von seinen Mitbewerbern in der Branche/Fachrichtung abheben. 

Der Restaurator muss, um dies nachhaltig zu erreichen, dem Kunden Vorteile verschaffen, die dieser deutlich und anhaltend wahrnimmt. Dies wird dadurch erreicht: 

Der Restaurator muss entweder einen höheren Wert für Kunden schaffen als seine Mitbewerber, oder einen vergleichbaren Wert, aber zu geringeren Kosten als der Wettbewerb (Vgl. Porter, Wettbewerbsvorteile, 1999, S. 27).

Hat der Restaurator jedoch keinen besonderen Vorteil gegenüber seinen Mitbewerbern, so hat er auch keine Marktberechtigung und wird von seinen Konkurrenten verdrängt werden (Vgl. Henderson, 1996, S. 5 f.).     

Unterschiede sichern somit die Existenz des Restaurators. Da diese Vorteile, wenn sie erfolgreich sind, schnell von den Mitbewerbern kopiert werden, bedeutet Strategie auch kontinuierlichen, engagierten Wettbewerb. Erfolgspotentiale können sich dadurch ergeben, dass Kompetenzen im Atelier nutzbar gemacht werden, auf die der Mitbewerber in dieser Form nicht zurückgreifen kann (Vgl. Horváth & Partners, Balanced Scorecard umsetzen, 2004, S. 38).

Darüber hinaus hat der Restaurator eine besondere Verpflichtung gegenüber Kulturgütern und ist an einen Ehrenkodex gebunden. Diese Umstände müssen bei der Entwicklung der BSC berücksichtigt werden. 

Der Strategieprozess

Die Ergebnisse möglicher Strategieoptionen aus der Marktanalyse und Unternehmensanalyse können mittels der Stärken-Schwächen-Analyse (SWOT-Analyse) dargestellt werden. 

Daraufhin findet eine Verknüpfung sowie Verdichtung der Vision mit den Strategieoptionen und eine Ableitung der strategischen Stoßrichtungen statt. 

Die strategische Ausrichtung eines Restaurators stellt keinen isolierten Prozess dar, sondern ist eingebettet in logische Abläufe einer Wertschöpfungskette 

(Vgl. Kaplan, Robert S.; Norton, David P., Strategy Maps, 2004, S. 29).

Abb. Strategieentwicklungsprozess, eigene Darstellung

Strategieverankerung

Für die Umsetzung der strategischen Ausrichtung steht die Balanced Scorecard (BSC) zur Verfügung. Die gestaltete BSC spiegelt mit ihren strategischen Zielen, eingebettet in die jeweilige Perspektive, die Gesamtstrategie des Restaurierungs-Ateliers dar. 

Zudem werden für die einzelnen strategischen Ziele geeignete Messgrößen entwickelt, die neben den Ziel- und Zeitvorgaben und den strategischen Aktionen in die „Strategy Map“ des Ateliers übertragen werden.

Die Analyse der globalen Umwelt

Nachdem nun die Balanced Scorecard erläutert wurde und das Verständnis für Strategie geschärft wurde, kann nun damit begonnen werden eine geeignete Strategie für das Atelier zu entwickeln. 

Zunächst werden die Faktoren der globalen Umwelt betrachtet, welche auf das Atelier einwirken. Hierbei ist wichtig zu beachten, dass die Umwelteinflüsse je nach Land, Bundesland sogar Region sehr unterschiedlich sein können und im Einzelfall angepasst werden müssen.       

Bei den Segmenten der globalen Umwelt handelt es sich um politisch-rechtliche, ökonomische, soziokulturelle und technologische Umweltfaktoren, welche das Atelier sowohl direkt als auch indirekt beeinflussen. Diese Segmente können jedoch ihrerseits vom Restaurator gar nicht oder nur durch eine starke Lobby (Zusammenschluss in einem Verband) beeinflusst werden.

Der Restaurator ist in einem hohen Maß von den Einflüssen der globalen Umwelt abhängig. Deshalb ist es notwendig, dass er diese Veränderungen kontinuierlich beobachtet, für das Atelier wichtige Faktoren herausfiltert, interpretiert und in seine künftigen strategischen Überlegungen integriert. 

Für die Beschaffung relevanter Daten seiner globalen Umwelt betreffend, kann der Restaurator auf eine Reihe von Informationsträgern zurückgreifen. 

Die Mitgliedschaft in einem der Verbände sichert dem Restaurator eine große Menge an Datenmaterial. Weitere wichtige Lieferanten von Daten sind die Kulturämter, die Ämter für Datenverarbeitung der einzelnen Bundesländer, Steuerberater, Versicherungen, Banken, Hochschulen, Fachzeitschriften, Lieferanten und Hersteller. 

Hierbei ist jedoch entscheidend, die für den Restaurator wichtigen Daten zu generieren, die Informationsflut in ihrer Komplexität zu reduzieren und das Augenmerk auf einige wenige kritische Daten zu verdichten. 

Zunächst wird systematisiert, welche Daten der globalen Umwelt für die strategische Ausrichtung oder die Abwehr von Gefahren von Bedeutung sind. Zukünftig muss auch dieser festgelegte Beobachtungsrahmen einer dauerhaften Überprüfung unterzogen und an eine etwaige veränderte Lage angepasst werden. 

Politisch-rechtliche Faktoren

Die politisch-rechtlichen Faktoren werden von Seiten des Staates an das Atelier herangetragen. Es handelt sich um gesetzliche Regelungen und Verordnungen. Als Beispiel für den Restaurator und von hohem strategischem Wert könnte die Entwicklung des Budgets sein, welches dem Sektor Kultur zugesprochen wird. Dies kann die Auftragslage des Restaurators stark beeinflussen. Auch kann ein künftiger Berufsschutz für Restauratoren von Bedeutung sein. 

Ökonomische Faktoren

Bei den ökonomischen Faktoren handelt es sich um gesamtwirtschaftliche Einflüsse, die auf das Atelier einwirken. Einige Beispiele können sein:
Wachstumsrate der Branche, Inflationsrate, Wirtschaftskrisen, Entwicklung der Einkommen, Konjunkturschwankungen, Steuern u. a. 
Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Kundenstruktur des Restaurators z. B. Staat, Kirche, Unternehmen, Privat einen erheblichen Einfluss auf die ökonomischen Faktoren hat.   

Soziokulturelle Faktoren

Hierunter können Werte und Einstellungen der Gesellschaft subsumiert werden. Für den Restaurator von besonderer Bedeutung ist die Veränderung der kulturellen Normen in den nächsten Jahren. Der Wertewandel in diesem Bereich sollte vom Restaurator beobachtet werden. 

Technologische Faktoren

Der Restaurator muss kaum wie in einer anderen Branche klassische und moderne Arbeitstechniken miteinander vereinen und hierbei steht der Erhalt des Kulturguts im Mittelpunk. Eine Herausforderung welche sich die Hochschulen seit Jahren stellen und schon jetzt beachtliche Erfolge verzeichnen können. Zahlreiche Publikationen aus dem Gebiet der Restaurierung/Konservierung dokumentieren dies. 

Auch die stetige technologische Weiterentwicklung in der Lasertechnologie, Mikroelektronik und Robotik können für den Restaurator Bedrohung und Chance im Wettbewerb darstellen.     

Die untere Tabelle gibt einen Überblick, welche kritischen Umweltfaktoren in regelmäßigen Abständen einer Analyse unterzogen werden können. 

 

© Mike Beer Dipl.- Kfm., Restaurator M.A., Tischlermeister